Ob Verzicht auf Kündigungen, Bewertungen von Aktienanalysten (“Halten” statt “Kaufen”) oder sinkende Stahlnachfrage – unsere Salzgitter AG begegnet mir in Wirtschaftsmeldungen öfter als früher, jedenfalls gefühlt. In den Berichten taucht gerne ein uns allen geläufiger Begriff auf: der Stahlkocher.
Aber wo hat er seinen Ursprung, was macht so einer genau? Muss ich mir einen Mann vorstellen, der fröhlich pfeifend vor einem großen Kessel sitzt und Stahl gar kocht? So ähnlich: “Ein Stahlkocher, auch Stahlkochtopf genannt, ist ein praktisches Haushaltsgerät, mit welchem Stahl gekocht werden kann.” Man könne darin etwa einen gut gekühlten Block Stahl unter ständigem Rühren von weiteren Zutaten wie Kartoffeln, Möhren, Wurstschnipseln und Porree verkochen. Ist alles schön flüssig, kommt noch Katzmium hinzu, fertig ist die leckere Stahlsoße.
Ein Topf, kein Mensch steckt hinter dem Begriff? So will es jedenfalls die “Kamelopedia”, eine freie Internet-Enzyklopädie. Freilich, dort sind nur satirische Einträge zu finden.
Aber die Suche nach dem Stahlkocher geht weiter. Ich gebe nicht auf. Diese Stahlsoße muss ich nun auslöffeln.
Erinnern Sie sich? Wo das schöne Wort Stahlkocher genau seinen Ursprung hat, wollte ich jüngst wissen. Ob es sich dabei um einen fröhlich-pfeifenden Mann oder gar um einen bestimmten Topf handelt, der zum stahlver- oder -einkochen benötigt wird, war der letzte Stand der Dinge.
Auf meiner Wissenssuche habe ich bislang weiter herausgefunden: Schauspieler Manfred Krug ist gelernter Stahlkocher, und es gibt ein österreichisches Hörspiel “Schneewittchen und die Stahlkocher”, in dem sich alles um Linz, die Kulturhauptstadt Europas 2009, dreht.
Auch entdeckt: Im Juni und Juli bietet Salzgitters Tourist-Information mehrere Termine zur Hüttenbesichtigung an, auch “um dem Stahlkocher bei der Arbeit über die Schulter zu schauen”, allerdings ohne ein Schneewittchen.
In die Bücherei gegangen. Im Wörterbuch Wahrig steht zu lesen, dass man mit dem Wort die Stahlarbeiter an Rhein und Ruhr meint – und was ist mit denen in unserer Stadt? Die Suche geht weiter…
Die Stahlindustrie ist lernfähig. Wolfgang Leese, Konzernchef der Salzgitter AG
Woher stammt eigentlich der Begriff Stahlkocher? Sie erinnern sich – die Frage beschäftigte mich. Zuletzt dachte ich auf der Suche nach der Wahrheit oft: Warum werde ich im global vernetzten Informationsdschungel nur allein gelassen? War wohl doch ein zu heißes Eisen, folgerte ich, schon leicht im Verfolgungswahn.
Doch unerwartet kam Hilfe. Ob ich denn auch den Infoplatz aufgesucht hätte, fragte mich Gudrun Lei per E-Mail. So wäre ich schneller ans Ziel gelangt, schrieb die Leiterin der Stadtbibliothek in Bad. Sie selbst hatte jüngst eine Geschichtssendung über den Montanbaron Carl Ferdinand Freiherr von Stumm-Halberg gesehen. Darin ging es, ganz nebenbei, auch ums Stahlkochen. Zufälle gibt’s!
Also: Bevor man sich über harten Salzgitter-Stahl freuen kann, muss er als Roheisen etwa eine Stunde lang gleichbleibend temperiert werden. Das wird durch ständiges Rühren erreicht – was der Fachmann, aufgepasst, “den Stahl kochen” nennt.
Mein Tipp: Wenden Sie sich bei kniffeligen Recherchen gleich an die kundigen und freundlichen Mitarbeiter unserer Bibliothek. Sie lassen uns in unserem Wissensdurst nicht allein.
Salzgitter Zeitung: 29. April, 5. Mai & 13. Mai 2009, Salzgitter LokalesAuch interessant:
Über Frank
Seit 1996 bin ich freier Mitarbeiter der Salzgitter-Zeitung, als Experte für das Geschehen im hiesigen Kreisfußball. Daneben sind meine Kolumnen seit 2005 fester Bestandteil im Lokalteil der Salzgitter-Zeitung. Zusammen mit Frau und Tochter sowie zwei gefräßigen wie faulen Stubentigern versuche ich das zu meistern, was das Leben, das Universum und der ganze Rest an Absurditäten für uns bereithalten.












































