Death comes to Pemberly / Der Tod kommt nach Pemberly

Am zweiten Weihnachtstag hat die BBC die erste Folge ihres Feiertags-Dreiteilers “Death comes to Pemberly” ausgestrahlt.

Pemberly? Da war doch etwas…

Bei Jane Austen-Fans klingelt es sofort: Mr. Darcys Wohnsitz, Hauptschauplatz des Geschehens. Der Tod, der nach Pemberly kommt, hat unmittelbar mit Austens “Stolz und Vorurteil” zu tun; es ist eine Weitererzählung von Elizabeth Bennet und Fitzwilliam Darcy als Ehepaar.

Fortsetzungen von Jane Austens bekanntestem und einflussreichen Roman gab es unzählige. Die Seite Jane-Austen.de listet rund 100 weitere Adapationen auf, die die Geschichte traditionell weitererzählen oder wie Helen Fielding mit ihrer Tagebuch-Heldin Bridget Jones in die Gegenwart übertragen. Zu den bekannteren Büchern, die direkt an “Stolz und Vorurteil” anknüpfen, zählen die zwei Romame von Emma Tennant: “Pemberly” und “Die Erben von Pemberly”, die man mit etwas Glück in Büchereien oder gebraucht ergattern kann.

Das Buch

 

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Foto: Droemer Knaur Verlag

Dass die neue Weitererzählung “Der Tod kommt nach Pemberly” zugleich eine Fernsehserie nach sich zieht, liegt natürlich an der prominenten Autorin: P. D. James.

So ist es auch wenig verwunderlich, dass die 94-jährige Bestseller-Autorin mit dem Austen-Stoff das tat, was sie am besten beherrscht: sie macht einen Krimi daraus:

Im Jahr 1803, sechs Jahre nach der Hochzeit von Mr. Darcy und seiner Elizabeth, geht das Leben auf dem Herrensitz Pemberley seinen idyllischen Gang. Doch am Abend vor dem großen Herbstball wird die Vorfreude empfindlich gestört: Aus dem waldigen Teil des Pemberley-Parks bricht in rasender Fahrt eine Kutsche, darin eine völlig aufgelöste Lydia Wickham – Elizabeths missratene kleine Schwester –, die behauptet, ihr Mann sei ermordet worden!

Nachdem die Damen in Sicherheit gebracht wurden, machen sich Mr. Darcy und sein Cousin in den Wald auf, um den Toten zu suchen. Was sie finden, ist ein lebender, blutverschmierter, verwirrter Wickham – und neben ihm eine Leiche.

Der Klappentext verrät nicht zu viel. Nur soviel sei gesagt: vom eleganten, gewitzten und augenzwinkernden “Stolz und Vorurteil” bleibt nicht sehr viel übrig. P. D. James schrieb mit “Der Tod kommt nach Pemberly” einen klassischen britischen Whodunit, der ein Wiedersehen mit den bekannten Charakteren beschert, die aber ordentlich durchschüttelt.

“Sehr hübsch, sehr entschleunigt, sehr romantisch.”

Die Welt

 

Auf Deutsch ist das Buch im Droemer Verlag erschienen. Die Verlagsseite bietet einige Kurzkritiken sowie die Möglichkeit im Buch zu blättern. In seiner Rezension “Mord und Vorurteil – Es fließt Blut in Pemberly” verweist Elmar Krekeler zurecht darauf, dass mit der Leiche der liebgewonnene Figurenkosmos Austens vor neuen Prüfungen steht. Glückssuche, Romanzen und Verheiratungen werden von Mord, Schauer und Intrigen abgelöst – “Sehr hübsch, sehr entschleunigt, sehr romantisch”, wie Krekeler in der Welt schreibt.

Die womöglich letzte große Detektivschriftstellerin erzählt auf einem Video ihres englischen Verlags Faber & Faber, was ihr an der Idee der Fortschreibung gefiel:

Im Interview mit dem Daily Telegraph geht die Autorin nochmals tiefschürfender auf die Kombination Austen und Krimi ein.

Die englischsprachigen Rezensenten waren sich nicht sicher, wie genau man das Buch einschätzen könne. Charles McGrath von der New York Times fand, die Fortsetzung erinnere ihn eher an Wilkie Collins’ Schauerromane – von P. D. James übrigens sehr geschätzt. Dem Buch fehle im Gegensatz zu ihren anderen Büchern allerdings eines, das für das Gelingen eines Krimis notwendig sei: ein echter Detektiv. Zudem sei der Plot gemächlich und wenig kompliziert. Darüber könne auch die Dichte, mit der die Krimiautorin schreibt, nicht hinwegtäuschen.

“It is a truth not universally acknowledged that a classic novel is not in want of a sequel.”

The Guardian

Die Washington Post mutmaßt, dass der vielleicht zu dünn geratene Plot gar nicht so wichtig sei. Stattdessen sei P. D. ein liebenswürdiges Portrait der Pembery-Welt gelungen, die nun die neue Heimat für Elisabeth Bennet darstelle. Eine lebendige Welt, in der Bedienstete der jungen Mrs. Darcy das Leben schwermachen und sich aufspielen, sobald der Hausherr fernbleibt.

Der Guardian beginnt seine Kritik in Anlehnung an den “Stolz”-Beginn mit dem vielsagenden ersten Satz: “It is a truth not universally acknowledged that a classic novel is not in want of a sequel” - Klassiker benötigen keine Sequels.

Die Serie

 

Im Schatten von Downton Abbeys Christmas Special begann die BBC am Boxing Day mit der Ausstrahlung der ersten Folge – ohne Colin Firth als Mr. Darcy und Jennifer Ehle als Elizabeth Bennet.

Deren Rollen übernahmen Matthew Rhys und Anna Maxwell Martin, beide eher in Großbritannien durch Auftritte in diversen  TV-Serien bekannt. Ihnen zur Seite steht der international bekannte Matthew Goode als George Wickam.  Überhaupt wird der Großteil der Darsteller uns Deutschen eher unbekannt sein.  Aufmerksame Zuschauer werden James Fleet wiedererkennen (aus “Sinn und Sinnlichkeit” und “Vier Hochzeiten und ein Todesfall”), hier spielt er Mr. Bennet.

Castle Howard und Chatsworth halten als Darcys Resident Pemberly her. Liebhaber britischer Kostümfilme werden beide Häuser wohlbekannt sein.

Castle Howard diente etwa als Kulisse für beide “Wiedersehen mit Brideshead”-Verfilmungen sowie für Stanley Kubricks “Barry Lyndon”.

Chatsworth ist als beliebter Drehort bekannt, wie für “Die Herzogin” mit Keira Knightley, “Jane Eyre” mit Michael Fassbender oder “Wolfman” mit Benicio del Toro.

Pikanterweise war Chatsworth das Pemberly in James Wrights Verfilmung von “Stolz und Vorurteil”, in dem Keira Knightley Elizabeth Bennet spielte.

Eine detaillierte Übersicht aller Orte bietet die International Movie DataBase.

Weitere Clips und einiges zur Entstehung der 180-minütigen Serie findet sich auf der offiziellen BBC-Seite.

In seiner Kritik zog der Guardian einen Vergleich zum Weihnachts-Special von Downton Abbey: “Most of all it’s so much better than the previous evening’s miserable Downton Abbey Christmas “special”. Das liege besonders daran, dass hier ein roter Faden, ein Plot zu erkennen sei. Aus einem Grund: der BBC-Serie liegt eine Romanvorlage zugrunde, während ITV eine noble Seifenblase zeige.

“Der BBC-Serie liegt eine Romanvorlage zugrunde, während ITV eine noble Seifenblase zeigt.”

The Guardian

The Scotsman lobte vor allem Matthew Goodes Darstellung als Wickam,  “der am besten sei, wenn er böse sei”. Schade sei, dass die gemeinsamen Szenen des Darcy-Ehepaars rar gesäht seien.

The Daily Telegraph mochte die Serie vom Start weg nicht, bemerkte nach Folge drei: “It was an underpowered ending to an almost suspense-free mystery.” Das kraftlose, spannungsfreie Ende habe ein einziges Verbrechen begangen: ein Verbrechen gegen großartige Literatur.

Wann die Serie in Deutschland zu sehen sein wird, steht noch nicht fest. Im Februar erscheint bereits die britische DVD. Eine spezielle DVD-Box enthält neben “Der Tod kommt nach Pemberly” die “Stolz und Vorurteil”-Adaption mit Colin Firth-Fassung - inklusiver seiner berühmten Schwimmszene im See vor Pemberly.

 

 

 

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Frank

Wer steckt hinter dem Blog? Ein kluger Kopf? Zumindest ein mitteilsamer anglo- und bibliophiler Mensch. Neben meinem Beruf bin ich seit 1996 freier Mitarbeiter der Salzgitter-Zeitung. Dort erscheinen meine Kolumnen über aktuelle Themen sowie Berichte über Salzgitters Nordharz-Fußballvereine. Zusammen mit Frau und Tochter sowie zwei gefräßigen wie faulen Stubentigern versuche ich zu verstehen, was das Leben, das Universum und der ganze Rest für uns bereithalten.

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