Gummibahnhof voraus!
Meine Kleinfamilie und ich besuchten die Großeltern in Lebenstedt. Zurück wollten wir per Zug nach Braunschweig fahren. Der Zug fiel aus – dafür Schienenersatzverkehr.
Das Bild vom Odysseus des Öffentlichen Personennahverkehrs tauchte wieder mal vor meinem geistigen Auge auf. Eines hatte ich dem durch Weltmeere irrenden Halbgott diesmal voraus: Meine Familie war mit an Bord!
Via Bus ging es durch Watenstedt, Immendorf und Thiede. In Watenstedt durchfährt man die Straße Am Gummibahnhof. Das Wort werden viele Leser noch kennen. Für die Jüngeren: Heute heißt das meist ZOB – Zentraler OmnibusBahnhof.
Woher wohl der Gummibahnhof seinen Ursprung hat? Das Internet verrät: Städte wie Wiesbaden, Helmstedt oder Münster dürfen sich mit Gummibahnhöfen schmücken, und den wohl bekanntesten soll Bremen haben. Einen Bus-Knotenpunkt oder einen Busbahnhof beschreibe der Begriff – sonst ist nichts auf Anhieb zu finden.
Ich geb’ Gummi und halte Sie über die weiteren Ermittlungen auf dem Laufenden.
Gummibahnhof – Zweite Runde
Sie erinnern sich? Gummibahnhof war mein Stichwort vergangene Woche. In Watenstedt gibt es eine Straße, die daran erinnert, und ich wollte wissen, woher das Wort stammt.
An dieser Stelle: Vielen Dank für die Reaktionen, die ich bei meiner Suche erhalten habe.
Der Reihe nach: Besagter Watenstedt-Bahnhof lag früher östlicher in Richtung Steterburg an der Eisenhüttenstraße und war einst der zentrale Verkehrsknotenpunkt Salzgitters, schrieb mir Wolfgang Wolters. Während der Aufbauzeit der Stahlwerke haben täglich mehr als 120 Busse den Gummibahnhof angefahren; sämtliche Bauarbeiten der Hütte führten über Watenstedt. Und gleich zwei Kneipen luden zum Feierabend-Umtrunk ein: Ramfords LKW-Kneipe und “Brinkmanns Eck”.
Franz, der Ur-Opa meiner Tochter Ylva, hat eine einleuchtende Erklärung: Im Gegensatz zu den Zügen fahren Busse nun mal auf Gummireifen – also wählte man zur besseren Unterscheidung von der ebenso wichtigen Eisenbahnstation den Begriff “Gummibahnhof”.
Das wäre nun geklärt. Unsere Stadt bietet so viel für Wissenshungrige – Beispiel Krähenriede: Waren in der “Ulenflucht” jemals Eulen flüchtig und wurde hundeartigen Raubtieren in der “Marderfalle” der Garaus gemacht?
Und: Warten in Osterlindes “Zu den Specken” riesengroße Fleischberge auf ihre Vertilger? Mehr dazu ein anderes Mal.
Salzgitter Zeitung: 16. und 23. Oktober 2009, Salzgitter Lokales
Dazu ein kenntnisreicher Leserbrief von Wilhelm Spengler:
Zur Kolumne von Frank Wehrmann vom 16. Oktober 2009:
Salzgitter Zeitung: 5. November 2009, Salzgitter LeserWatenstedt war zur Zeit des Hüttenaufbaus, ab 1937, zentraler Ort in der Region. Die Stadt hieß ja auch eine Zeit lang “Watenstedt-Salzgitter”. Hier war das erste Verwaltungsbüro im sogenannten Glaspalast, einem gewaltigen Flachbau mit großen Glasflächen, untergebracht.
Da kein Bahnanschluss, also auch kein Bahnhof vorhanden war, fand der gesamte Personenverkehr mit Omnibussen statt. Der Umsteigeplatz, heute ZOB, wurde in Ermangelung eines richtigen allgemein “Gummibahnhof” genannt, er befand sich an der noch heute so genannten Straße.





Pingback: Go for Gummibbahn – again! | Nur, was da steht