Schokolade oder Kobold: Englische Biere haben Qualität
Besser als ihr Ruf – Rolf-Ingo Behnke sprach über englische Biere und bat zur Verkostung
Von Frank Wehrmann
LEBENSTEDT. Ein Kobold war am Ende der Gewinner bei Rolf-Ingo Behnkes Vortrag “Britische Biere und ihre Brauereien”. Auf Einladung der Stadtbibliothek und Salzgitters Deutsch-Englischer Gesellschaft gewährte der ehemalige stellvertretende Bibliotheksleiter einen Einblick in die britische Gerstensaft-Szene.
“Englische Biere haben bei uns einen schlechten Ruf”, begann Behnke seinen Vortrag in der Hauptstelle Lebenstedt. Im Land des Reinheitsgebots schaue man verächtlich auf Großbritanniens Brauerzeugnisse.
“Dabei sind die Biere dort individueller und belegen bei internationalen Wettbewerben stets vordere Plätze – im Gegensatz zu unseren”, führte der England-Liebhaber aus. Noch einen Unterschied erwähnte er: “Englisches Ale wird bei 10 Grad ausgeschenkt, um drei Grad wärmer als bei uns.”
Von Nord nach Süd: Sechs Biere aus sechs Regionen
Den 13 Zuhörern stellte Behnke sechs Biere vor. Angefangen von den Orkney-Inseln im Norden Schottlands und dem “Scapa Special” über das “Holy Ail“, das seit dem 30-jährigen Bestehen der legendären Komiker-Gruppe “Monthy Phyton” in Nord-Yorshire gebraut wird (angeblich über brennenden Hexen erhitzt), bis hin zum “Bishops Finger” der Shepherd Neame Brewery aus Kent ging die kurzweilige Reise samt Verkostung.
Behnke beschrieb den tiefgreifenden Wandel der britischen Bierlandschaft. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hätten knapp 10 000 Pubs schließen müssen. “Das Zentrum der Dörfer geht damit verloren”, führte der pensionierte Bibliothekar aus. Deshalb stellen die “public houses” auf höherwertiges Essen um oder bieten selbst gebrautes Bier an – die Mikro-Brauereien, die lokal produzieren und ausschenken, seien ein hoffnungsvoller Gegentrend zum Pub-Sterben (mehr zur britischen Bierszene finden Sie direkt auf Rolf-Ingo Behnkes Blog).
Schokolade oder Kobold?
“Welches Bier ist Ihr Favorit?” wollte Behnke zum Abschluss wissen. Das “Double Chocolat Stout” – ein Gerstensaft mit Schokoladennote – fand wenig Zuspruch. Publikumsliebling war “King Goblin“. Das Kobold-Bier mit einem Alkoholgehalt von 6,6 Prozent wird nur bei Vollmond gebraut. Halloween kann kommen – nebst englischer Biere.
Salzgitter Zeitung – 27. Oktober 2012 – Lokales





